Frauenförderung in der Verwaltung

Die Umsetzung der Chancengleichheit für beide Geschlechter bei der Stadtverwaltung Herne bedeutet, einen verfassungsrechtlichen Auftrag zu erfüllen.

„Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ (Artikel 3, Absatz 2 Grundgesetz).

Bei der Analyse der Beschäftigtenstruktur der Stadt Herne wird deutlich, dass nach wie vor Frauen in höherwertigen Positionen unterrepräsentiert sind. Daher sind eigenständige Maßnahmen zur Frauenförderung unverzichtbar.
Frauenförderung als Instrument zur Realisierung der Gleichstellung von Frauen und Männern ist nach dem Landesgleichstellungsgesetz eine Pflichtaufgabe der Kommunen.
Das LGG (Landesgleichstellungsgesetz) verpflichtet die Kommunen, Frauenförderpläne aufzustellen, um bestehende Benachteiligungen für Frauen abzubauen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Frauen und Männer zu verbessern.
Der Rat der Stadt Herne hat am 5. März 2013 den neuen Frauenförderplan 2013 bis 2015 beschlossen. Neben der Fortführung bewährter Maßnahmen wurden neu aufgenommen:

  • Einrichtung einer Jobbörse, um den Beschäftigten eine weitere berufliche Umorientierung oder Weiterentwicklung zu ermöglichen
  • das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch für Männer wird in Führungs- und Führungsnachwuchsseminaren ausdrücklich behandelt
  • Es werden weitere Projekte zur Umsetzung von Gender Mainstreaming durchgeführt. Aktuell beabsichtigt die Verwaltung, ihre Öffentlichkeitsarbeit und das betriebliche Gesundheitsmanagement nach Genderkriterien auszurichten.
  • Der Fachbereich Personal und Zentraler Service informiert die Beschäftigten über die Inhalte des Pflegezeitgesetzes und über Beratungs- und Unterstützungsangebote.
  • Teilzeitbeschäftige Beamtinnen und Beamte erhalten auf Antrag alle zwei Jahre eine Auskunft über die voraussichtlich zu erwartenden Versorgungsbezüge.
  • Aus betrieblichen Gründen können Tele(heim)arbeitsplätze zur Verfügung gestellt werden.
  • Die Vereinbarung von Familie und Beruf stellt für Mütter und Väter eine besondere Belastungssituation dar. Ein Konzept zum betrieblichen Gesundheitsmanagement berücksichtigt diese Belastungssituation und entwickelt ggf. spezifische Maßnahmen.

Frauen und Männer sind rechtlich gleichgestellt. Sie leben jedoch - nicht nur aufgrund biologischer Tatsachen - in verschiedenen Welten. Auch im gesellschaftlichen Leben erfüllen Frauen und Männer unterschiedliche Rollen und Aufgaben.
Gender Mainstreaming ist ein Konzept, das davon ausgeht, dass sich die Lebenswirklichkeit von Frauen und Männern in vielen Bereichen unterscheidet. Demzufolge wirken sich auch alle Maßnahmen der öffentlichen Verwaltung - ob nach innen, hinsichtlich der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, oder nach außen, als Verwaltungshandeln für Bürgerinnen und Bürger - auf die Geschlechter unterschiedlich aus.
Ziel des Gender Mainstreaming ist es, den Aspekt der Chancengleichheit von Frauen und Männern in alle Politikbereiche, in alle Maßnahmen und auf allen Ebenen einzubinden.
Im Vorfeld durchzuführender Entscheidungen und Maßnahmen fragt Gender Mainstreaming danach, wie sich das jeweilige Vorhaben sowohl auf die Lebenssituation von Männern als auch auf die Lebenslagen von Frauen auswirken kann. Durch diese "Wirkungsprüfung" kann frühzeitig ermittelt werden, ob Frauen und Männer von einer Maßnahme in gleicher Weise berührt oder bestehende Unterschiede zu Lasten eines Geschlechtes noch verstärkt werden.
1996 hat sich die Europäische Union erstmals dem Gender Mainstreaming verpflichtet. 1997 folgte eine Entschließung des Europäischen Parlaments, mit der die Mitgliedstaaten aufgefordert wurden, die Politik des Gender Mainstreaming in ihre lokale, regionale und nationale Politik zu implementieren. Mit der Ratifizierung des Amsterdamer Vertrages besteht für die Mitgliedstaaten nunmehr eine gesetzliche Verpflichtung zur Umsetzung des Konzeptes.

Begriffsklärung:
Mit dem Begriff "gender" werden gesellschaftliche und kulturell geprägte Rollen, Rechte, Pflichten, Ressourcen und Interessen von Frauen und Männern bezeichnet.
"Mainstreaming" besagt, dass ein bestimmtes Handeln - hier ein geschlechterbewusstes und -gerechtes - zum normalen und selbstverständlichen Handlungsmuster einer Organisation gehört.
Gender Mainstreaming meint demnach eine Strategie, die die Anliegen und Erfahrungen von Frauen und von Männern in der Planung, Durchführung, Überwachung und Auswertung politischer Maßnahmen selbstverständlich einbezieht.

Missverständnisse, Streit, Kontroversen usw. gehören mitunter zum Arbeitsleben und werden von den betroffenen Mitarbeiterinnen durchaus als starke Belastung empfunden.
Doch viele Konflikte am Arbeitsplatz werden vorschnell als "Mobbing" bezeichnet. Nicht alle Konflikte sind so genannte "Mobbing"-Handlungen. Beratung und Information ermöglichen einen angemessenen Umgang mit Konflikten und erleichtern die Unterscheidung, ob es sich um relativ leicht auflösbare Schwierigkeiten handelt, oder ob eine massive "Mobbing"-Situation vorliegt.
Betroffene Mitarbeiterinnen können unter sachkundiger Begleitung der Gleichstellungsstelle ihre Arbeitssituation schildern. Gemeinsam werden Strategien und Entlastungsmöglichkeiten gesucht, die die Schwierigkeiten beseitigen können.
Auf Wunsch und im Interesse der Mitarbeiterinnen kooperieren wir selbstverständlich auch mit dem Personalrat.
Die Mitarbeiterinnen der Gleichstellungsstelle sind zur Verschwiegenheit verpflichtet!

Das Landesgleichstellungsgesetz NRW bestimmt die Aufstellung von Frauenförderplänen in der öffentlichen Verwaltung. Diese Frauenförderpläne, die eine Vielzahl von Zielen und Maßnahmen formulieren, haben eine Laufzeit von jeweils drei Jahren. Ein regelmäßiges Controlling führt den Nachweis über die Zielerreichung oder hinterfragt die Nichterreichung von angestrebten Vorhaben.

Der aktuelle Frauenförderplan 2013 bis 2015 der Stadt Herne beschäftigt sich mit folgenden Schwerpunktthemen:

  • Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Frauen und Männer wird durch eine Vielzahl von Maßnahmen ermöglicht.
  • Teilzeittätigkeit darf sich nicht nachteilig auf die dienstliche Beurteilung auswirken. Führungskräfte werden hierzu geschult.
  • Gender Mainstreaming (Geschlechtergerechtes Handeln) ist eine Querschnittsaufgabe der Verwaltung. Die Stadt Herne bekennt sich zu den Grundsätzen und unterstützt Pilotprojekte zur Umsetzung.
  • Der Anteil von Frauen in Führungspositionen soll erhöht werden. Potentielle weibliche Führungskräfte werden mithilfe eines Mentoring-Projektes auf zukünftige Aufgaben vorbereitet.

… und vieles mehr!

Sprachregelungen für die öffentliche Verwaltung
Das Landesgleichstellungsgesetz NRW legt in § 4 fest, dass "Gesetze und andere Rechtsvorschriften sprachlich der Gleichstellung von Frauen und Männern Rechnung tragen."
Im dienstlichen Schriftverkehr der öffentlichen Verwaltung, auf Vordrucken und ähnlichen Formularen, ist die sprachliche Gleichbehandlung der Geschlechter durch geschlechtsneutrale Personenbezeichnungen sicherzustellen. Sofern dies nicht möglich ist, finden die männliche und weibliche Sprachform Anwendung.

Hintergrund für diese Regelung ist der Tatbestand, dass die starke männliche Prägung des allgemeinen Sprachgebrauchs dazu führt, dass Frauen nicht ausreichend berücksichtigt werden - weder in Wort noch Schrift.
Vor allem pflegt die Gesetzessprache immer noch eine maskuline Sprachkultur. Es ist die Rede von "Antragstellern", "Leistungsempfängern", "Teilnehmern" oder "Bürgern" und "Sachbearbeitern".

Sprache ist ein Spiegel gesellschaftlicher Verhältnisse und schafft ihrerseits Realitäten.
Was nicht benannt wird, ist mitunter weder wichtig noch existent.

"Frauen sind doch mitgemeint." Dies ist eines der häufig angeführten Argumente gegen die Einführung und den Gebrauch einer geschlechtergerechten Sprache.

Doch gerade dieses Argument entlarvt, gegen was sich die Regelung des Landesgleichstellungsgesetzes wendet: Die subtile Aufrechterhaltung althergebrachter Geschlechterverhältnisse, die das "männliche Prinzip" zur Leitkultur erheben.

Die Gleichstellungsstelle berät, informiert und begleitet die Fachbereiche bei der Anwendung einer geschlechtergerechten Sprache und hat überdies eine Controllingfunktion.

Sabine Schirmer-Klug
Telefon: 0 23 23 / 16 - 22 05
Telefax: 0 23 23 / 16 - 25 41
E-Mail: gleichstellungsstelle@herne.de

Angelika Wißmann
Telefon: 0 23 23 / 16 - 22 08
Telefax: 0 23 23 / 16 - 25 41
E-Mail: gleichstellung@herne.de

Gleichstellungsstelle
Berliner Platz 5
44623 Herne
E-Mail: gleichstellungsstelle@herne.de