Meldung vom 12. Dezember 2017

„Das Ehrenamt hat mir sehr viel gebracht"

Dass Herne eine Stadt ist, in der viele Menschen ehrenamtlich tätig sind, ist bekannt. Nicht so bekannt ist allerdings die Tatsache, dass sich auch immer mehr Flüchtlinge ehrenamtlich engagieren. Um dieses Thema näher zu beleuchten, hatte das Ehrenamtsbüro der Stadt Herne unter dem Titel "Flüchtlinge im Ehrenamt" zu einer Podiumsdiskussion eingeladen.

„Dass Geflüchtete die Kraft haben, anderen zu helfen, das beeindruckt und das macht Mut", betonte Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda zum Tag des Ehrenamtes vor rund 70 Gästen im Stadtteilzentrum Pluto. Zu Beginn ließ Moderatorin Susanne Schübel noch einmal das Jahr 2015 Revue passieren, „als viele Menschen in Herne sich auf den Weg gemacht haben, um zu helfen. Doch jetzt sind wir aufgerufen, dass aus dem Willkommen ein Ankommen wird." Wie so ein Ankommen ansehen kann, beschrieb Huda Al Hussari eindrucksvoll. Sie arbeitet seit August an der Ruhr-Universität Bochum als Dozentin, dabei ist sie gerade einmal zwei Jahre in Deutschland, spricht die Sprache aber fast perfekt.

„Sprache ist der Schlüssel für alles"

„Das Ehrenamt hat mir sehr viel gebracht. Ich bin aufgenommen worden, ich bin akzeptiert. Das hat für mich eine große Bedeutung. Außerdem habe ich so viele Menschen kennen gelernt. Wenn ich durch Herne gehe, heißt es oft, hallo, wie geht es dir. Das ist ein großartiges Gefühl." Die Frau aus Syrien hat sich bereits ehrenamtlich bei der Caritas engagiert. Auch beim Netzwerk Neubeginn.Ruhr und in einer Projektgruppe der Stadt Herne ist sie aktiv. Viel Freizeit investierte auch Mahmoud Yousef. Der Apotheker aus Syrien unterstützt seine Landsleute oft als Dolmetscher. „Die Deutschen haben viel gegeben, ich möchte etwas zurückgeben", erklärt Yousef mit Blick auf das Ehrenamt. Er motiviert seine Landsleute, die Sprache zu lernen. „Sprache ist der Schlüssel für alles, nur so bekommt man Kontakte zu den Menschen in Herne." Das Ehrenamt kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten, Huda Al Hussari und Mahmoud Yousef haben das selber erlebt.

Gerne würden sie noch weitere Geflüchtete im ehrenamtlichen Engagement sehen. Doch das ist gar nicht so einfach, wie auch Jurina Urban zu berichten weiß. Die Mitarbeiterin des DRK koordiniert das Projekt "Wir lernen voneinander - Flüchtlinge im Ehrenamt". „Wir haben eine Warteliste – also mehr Kandidaten, die ehrenamtlich tätig sein möchten als offene Stellen bei den Organisationen und Vereinen." Jurina Urban rührte kräftig die Werbetrommel, um weitere Stellen zu akquirieren. „Und wo genau könnte es diese Stellen geben?", wollte es Moderatorin Susanne Schübel genau wissen. „Es gibt viele Möglichkeiten, zum Beispiel beim DRK-Blutspenden, im Katastrophenschutz, bei der Seniorenbetreuung oder im Sportverein. Und genau hier liegt meine Aufgabe. Ich muss das Engagement der Geflüchteten mit den Vereinen zusammen zu bringen. Wir möchten, dass sie ehrenamtlich aktiv werden, ihre Ressourcen wiederentdecken und wieder aktiv werden", berichtet Jurina Urban. Umso mehr freut sie sich darüber, dass es Menschen gibt wie Aimo Glaser.

THW mit gutem Beispiel

Der Ortsbeauftragte des THW Wanne-Eickel war sofort zur Stelle, als es hieß, Flüchtlingen ein Angebot für eine ehrenamtliche Tätigkeit zu verschaffen. „Zurzeit haben wir vier Flüchtlinge bei uns. Mit ihnen haben wir auch sehr gute Erfahrungen gemacht. Sie haben inzwischen gute Fortschritte gemacht, auch sprachlich." Die Kommunikation ist auch für Glaser entscheidend: „Es gibt Geflüchtete, die in zwei Jahren sehr gut deutsch sprechen. Aber es gibt auch Geflüchtete, die nach zwei Jahren kaum deutsch sprechen. Das ist dann natürlich schwierig." Doch der THW-Fachmann hat auch einen Tipp parat für Organisationen oder Vereine, die planen, Neuzugewanderten eine Stelle anzubieten. „Man muss das Herzblut der eigenen Kolleginnen und Kollegen wecken. Und zwar schon im Vorfeld und nicht erst, wenn die Geflüchteten da sind. Wir sind auf jeden Fall bereit, weitere Neuzugewanderte aufzunehmen."