Meldung vom 27. Oktober 2017

Die Kraft der reinen, ungemischten Farbe - Ausstellung von Thomas P. Kausel

Mehr als 40 großformatige, an Seilen aufgereihte, Farb-Malereien schaffen einen neuen, ungewohnten Blick auf die 600 Quadratmeter großen Flottmann-Hallen, den Kultur- und Veranstaltungsraum der Stadt Herne. "Die reine, ungemischte Farbe" sind Thema und Titel der aktuellen Ausstellung.

Thomas P. Kausel zeigt mit seiner Konkreten - das heißt: nicht abbildenden - Malerei die elementare Farb-Substanz; das ist: Pigment mit Bindemittel - wie zum Beispiel Leinöl oder Acryl.

Typisch für Kausel sind inbesondere drei Aspekte:

Kausel arbeitet nur mit den 154 reinen, ungemischten Pigmenten

Erstens arbeitet er nur mit den 154 reinen, ungemischten Pigmenten höchster Lichtechtheit, denn die Intensität ("Buntheit") reiner Farbe ist höher als die gemischter Farben: reiner ist stärker! "Was ist das blaueste Blau? - wie rot kann Rot sein?" Die Antworten kann der Betrachter in der Ausstellung er-sehen. Kausel macht die Farbe als Substanz sinnlich (visuell, haptisch) erfahrbar: auf der "Bühne" von Holz, Papier und Leinwand stellen sich die Farb-Substanzen dar: transparent dünn oder pastos dick aufgetragen mit rau strukurierter Oberfläche oder hochglänzend lackiert.

Kausel orientiert sich stets am Ordnungs-System Colour Index

Die zweite Besonderheit: Eingeschriebene Worte und Ziffern wie zum Beispiel "Blue 28" - sind die international offiziellen Namen des jeweiligen Pigments. Diese Namen entstammen dem global verbindlichen industriellen Ordnungs-System Colour Index (C.I.); dieses ordnet die Pigmente und Farbstoffe als einziges nicht nach dem Aussehen wie alle gewohnten Farb-Kreise seit Newton, Goethe usw., sondern nach dem chemischen Aufbau: Blue 28 heißt das Pigment Kobalt-Blau.

Mehrfarbige "Farb-Akkorde" bestehen verwandten Pigmenten

Und Drittens: Mehrfarbige "Farb-Akkorde" bestehen ausschließlich aus chemisch verwandten Pigmenten; wie zum Beispiel drei rote Leinwände mit dem Titel "Red 254" und "Red 255" aus der organischen Substanz "Aminoketon". Nach dem C.I. sind alle Bilder hier in Herne geordnet, so hängt z.B. ein braunes neben einem dunkelblauen Eisen-Oxid. Dies alles macht die ganze Ausstellung ungewöhnlich. Der Titel einer Werkgruppe "Unusual Interaction of Colors" - bezieht sich explicit auf Josef Albers, den in den USA berühmt gewordenen Sohn Bottrops.

Viele Arbeiten zu stark reduzierten Preisen

Die Ausstellung zeigt: auch Kausel hat mit Landschaften angefangen, später abstrakt (krasse Beispiele: Aktions-Malerei, entstanden 1991 bei Hermann Nitsch - auf Kausels Art), endlich konkret. Anlässlich seines 80. Geburtstages, und nur hier in Herne, bietet der Künstler viele Arbeiten zu stark reduziertem Sonder-Preis an.

Kausel war Meisterschüler bei Nitsch

Kausel, 1937 in Berlin geboren und in München lebend, war Fotograf und Kameramann, studierte in Salzburg Malerei bei Vedova, Chia, Dias, bei Nitsch als Meisterschüler und bei G.K. Pfahler als Assistent. Arbeiten von Kausel befinden sich u.a. im Von der Heydt-Museum Wuppertal, Sprengel Museum Hannover, Hamburger Kunsthalle, Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen, Berlinische Galerie Berlin, British Museum London und viele weitere.

Ausstellung: Vom 28. Oktober bis 15. Dezember

Eröffnung: Samstag 28. Oktober 17 Uhr. Ausstellungsdauer: 28. Oktober - 15. Dezember 2017. Dienstag bis Sonntag 14 bis 18 Uhr. An Veranstaltungstagen bis 20 Uhr. Montags geschlossen. Straße des Bohrhammers 5, 44625 Herne