Meldung vom 22. September 2017

Im Speed-Dating zum Ausbildungsplatz

Beim Speed-Dating am 21. September haben 36 Arbeitgeber Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit gegeben, noch einen Ausbildungs- oder einen Praktikumsplatz zu bekommen. Zehn Minuten haben Bewerber und Firmen Zeit gehabt um einander kennen zu lernen.

Der Bürgersaal der Akademie Mont-Cenis ist voll mit Menschen und Tischen, am Eingang drängen sich Schülergruppen. Und doch ist es ruhig, fast leise. Konzentriert unterhalten die Jugendlichen sich mit verschiedenen Ausbildungsbetrieben, stellen Fragen, geben ihre Bewerbungsmappen ab und viele vereinbaren gleich noch einen Termin für ein ausführliches Gespräch. Dann geht es weiter, nächster Bewerber, nächste Firma. Im Speed-Dating sollen Schülerinnen und Schüler aus Herne einen Ausbildungsplatz finden oder zumindest ein Praktikum.

Auf der Zielgeraden zur Ausbildung

Kurz bevor das Ausbildungsjahr anfängt, wollen 36 Arbeitgeber die Chance nutzen, den passenden Nachwuchs zu finden – für dieses oder für kommendes Jahr. „Wir sind im Endspurt. Viele Verträge sind schon unterschrieben, viele Jugendliche suchen auch noch“, weiß Dr. Regine Schmalhorst, die Leiterin der Agentur für Arbeit Bochum und Herne. Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda ergänzt: „Wir legen auf der Zielgeraden nochmal Tempo zu.“ Deswegen haben Arbeitsagentur und Stadt Herne, IHK und Kreishandwerkerschaft gemeinsam mit dem Moonlight-Network und den Herner Schulen ein neues Format entwickelt, um Firmen und Bewerber zusammen zu bringen.

Noch offene Stellen für 2017

Das Speed-Dating richtet sich an Jugendliche, die schon wissen, welchen Beruf sie erlernen möchten, die motiviert sind und am besten schon Bewerbungsunterlagen mitbringen. 127 Interessierte hatten sich angemeldet, mehr als doppelt so viele waren schließlich dabei. „Es ist wichtig, niederschwellige Angebote zu machen. Viele Jugendliche entscheiden sich auf den letzten Metern für eine Ausbildung“, erklärt Dr. Dudda. Besonders erfolgversprechend findet er, dass junge Mitarbeiter aus den Unternehmen die Bewerber beraten und so die Hemmschwelle niedriger ist. „Die Jugendlichen, die noch keinen Platz haben, sollen auch Mitte, Ende September nicht aufgeben. Wir haben noch offene Stellen“, betont Schmalhorst. Für das Ausbildungsjahr 2017 sind noch 104 Stellen in Herne zu vergeben, für 2018 sind es jetzt schon 172, Tendenz steigend. Und auch die Unternehmen haben noch Auswahl: 164 junge Hernerinnen und Herner suchen für dieses Jahr noch einen Platz.

Unterstützung für Betriebe, die ausbilden

Trotzdem wird deutlich, dass es noch lange nicht genügend Plätze gibt. „Eine Zahl tut mir in der Seele weh, nämlich dass in Herne auf 100 Bewerber nur 42 Ausbildungsstellen kommen“, so die Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit. „Deswegen bin ich sehr froh über diese Initiative.“ Man müsse Betriebe immer wieder ermutigen, Zeit und Mühe in den Fachkräfte-Nachwuchs zu investieren. Deswegen bietet die Agentur für Arbeit zahlreiche Möglichkeiten der Unterstützung -von Coaching bis Nachhilfestunden. Auch die Stadt Herne möchte Betrieben vor Ort Hilfestellung geben, damit sie passende Bewerber finden. Aber auch große Firmen, die nach Herne kommen, sind am Zug: „Wir achten darauf, dass Neuansiedlungen von Unternehmen von vorneherein die Ausbildung auf dem Schirm haben“, so Dr. Dudda. Auch Kerstin Groß, für Ausbildung zuständige Kompetenzfeldmanagerin der IHK Mittleres Ruhrgebiet, weiß um die herausragende Bedeutung der Ausbildung: „Wir müssen als IHK Unternehmen viel stärker dafür begeistern, sich auf die Ausbildung einzulassen. Es macht eine Stadt stark, wenn vor Ort ausgebildet wird.“

Die Chemie muss stimmen

Das Konzept der kurzen, direkten Gespräche kommt gut an. „Alle Herner Schulen, die Schüler in der zehnten Klasse haben, sind hier – das ist schon aussagekräftig“, weiß der Schulamtsdirektor des Schulamtes für die Stadt Herne, Rainer Ruth. Bereits in den ersten Stunden haben einige Bewerber Verträge unterzeichnet. Manche Arbeitgeber, die damit nicht gerechnet haben, lassen sich von IHK und Kreishandwerkerschaft noch schnell Vorlagen für Ausbildungsverträge geben. Martin Klinger, der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, weiß, warum es funktioniert: „Das Azubi-Speed-Dating ist so wichtig, weil es persönlich ist. Das Handwerk ist kleinteilig organisiert, da ist der unmittelbare Kontakt entscheidend. Gerade bei familiären Unternehmen muss die Chemie zwischen Arbeitgeber und Auszubildendem stimmen.“ Für die Bewerber liegt die große Chance darin, persönlich zu überzeugen, auch wenn sie nicht die besten Noten auf dem Zeugnis haben. Wie viele Ausbildungsverträge insgesamt geschlossen werden, ist noch nicht abzusehen. Viele Teilnehmer machen im kommenden Jahr ihren Abschluss und wollen erst ein Praktikum machen, bevor sie unterschreiben. Andere haben in den kommenden Wochen noch ausführliche Gespräche.

Wunsch-Azubi gefunden

Dass keinesfalls nur diejenigen kommen, die übrig geblieben sind, hat Klinger selbst in mehreren Gesprächen erlebt: „Drei angehende Schreiner waren bei mir. Von zweien leite ich die Lebensläufe an Betriebe weiter. Wahrscheinlich bekommen die beiden ein Vorstellungsgespräch oder direkt einen Praktikumsplatz. Der dritte wird mit Sicherheit eingestellt. Wenn ich Schreinermeister wäre, würde ich den lieben Gott bitten: Schick mir bitte genau so einen Azubi.“