Meldung vom 03. August 2017

Inklusion: Mit dem Rollstuhl auf Praktikumssuche

Die Suche nach einem Praktikumsplatz gestaltet sich für viele Schülerinnen und Schüler oft schwierig – manchmal wird sie sogar zu einer richtigen Herausforderung. Lars Dyringer kann davon ein Lied singen. Er sitzt im Rollstuhl, was die Suche nach einem geeigneten Praktikumsplatz nicht gerade erleichterte. Doch der 21-Jährige gab auch nach zahlreichen Absagen nicht auf und wurde jetzt doch fündig: Bei der Stadt Herne.

Vier Wochen im Inklusionsbüro

Oder besser gesagt im Inklusionsbüro. Hier bekam Lars Dyringer genau den Einblick ins Berufsleben, den sich der junge Mann aus Castrop-Rauxel gewünscht hatte. „Ich bin hier wirklich gut aufgenommen worden. Es hat alles sehr gut geklappt“, freut sich der Schüler des Berufskollegs Castrop-Rauxel. Er würde sich wünschen, dass auch andere Arbeitgeber dem Beispiel der Stadt Herne folgen und Menschen mit Beeinträchtigungen eine Chance geben. „Ich habe viele Absagen bekommen. Oft wurde gesagt, dass man in dieser Zeit keinen Praktikanten nehmen könne. Leider glaube ich, dass das oft Ausreden waren“, erklärt Lars Dyringer, der aufgrund einer Muskelerkrankung seit seinem zehnten Lebensjahr auf den Rollstuhl angewiesen ist. Unterstützung erhält er auch von seinem Integrationshelfer Silvan Schröder, der ihn in der Schule, aber auch während der vier Wochen im WEZ jeden Tag begleitete. „Das Praktikum hat viel besser funktioniert, als wir uns das vorgestellt haben. Lars ist besonders am Computer fit und hat uns sogar bei der Herstellung eines Flyers geholfen“, zogen auch die Inklusionsbeauftragte Kerstin Fischer-Friedhoff und ihre beiden Kolleginnen Bärbel Schulte und Marion Mielke ein positives Fazit.

Appell an weitere Arbeitgeber

Im städtischen Verwaltungsgebäude an der Hauptstraße 241 unterstützte Lars Dyringer nicht nur die Mitarbeiterinnen im Inklusionsbüro, sondern bekam auch von Kollegen aus anderen Abteilungen einen Einblick in den Arbeitsalltag. Über den guten Ablauf des Praktikums freute sich auch Brigitte Bartels. Seit dem 1. März 2017 ist das städtische Inklusionsbüro als Stabsstelle im Fachbereich Soziales unter der Leitung von Brigitte Bartels verortet. Auch die Fachbereichsleiterin würde sich wünschen, dass andere Arbeitgeber mögliche Vorbehalte abbauen und Menschen mit Behinderungen eine Chance geben: „Aber wir werden auch innerhalb der Verwaltung für das Thema werben und auf andere Fachbereiche zugehen. Wir haben gezeigt, dass so etwas funktionieren kann. Auch, wenn man manchmal ein bisschen improvisieren muss.“ Die Fachbereichsleiterin erinnerte in diesem Zusammenhang an den Inkluionsplan, der im Rahmen eines großen Beteiligungsprozesses mit vielen Beteiligten der Stadtgesellschaft auf den Weg gebracht wurde. Im Bereich Arbeit und Beschäftigung wurde vereinbart, dass die Stadt Herne bis 2020 mindestens fünf der von der Stadt Herne ange¬botenen Praktikumsplätze so ausstattet, dass ein Einsatz von Personen mit Behinderungen möglich ist.