Meldung vom 06. Juli 2017

Ein Haus für Ometepe

Maura Argentina Rivera, alleinerziehende Mutter von zwei Töchtern, davon eine behindert, bekommt ein Haus auf der Insel Ometepe. Das Geld dafür, immerhin 4060 Euro, haben der Projektkurs und die Ometepe-AG der Erich-Fried-Gesamtschule gesammelt. Die Sektion Ometepe des Partnerschaftsvereins Herne sorgt dafür, dass das Geld richtig verwendet wird.

Handgeschriebene Briefe

In Ometepe hat die Erich-Fried-Gesamtschule seit mehreren Jahren eine Partnerschule. Aber erst seit vier Jahren existieren auch direkte Kontakte mit den Schülern der Partnerschaftsinsel. Berichte der Vertreter der Ometepe-Sektion führten den Schülern vor Augen, wie bedürftig die Menschen dort leben. Durch den sich anbahnenden persönlichen Briefverkehr - handschriftlich, weil kaum Internet auf der Insel existiert - hat die prekäre Situation sie auch selbst berührt.

Großer Eindruck

Daher beschloss der Projektkurs der Klasse 12 und die Ometepe-AG der Klasse 6 vor einem Jahr, einer bedürftigen Familie aus der Schulgemeinde der Partnerschule in La Palma ein Haus zu spenden. Elif erzählt, wie die Schüler an vielen Festen, Märkten und Tagen der offenen Tür teilnahmen und mit ihren Bauchläden Gewürzöle, Kaffee und Kuchen verkauften. Ihre Aktion beim Herner Adventsmarkt machte großen Eindruck, so dass die Marktbetreiber beschlossen, ihre Spende in Höhe von 2.000 Euro an die Erich Fried gehen zu lassen. Auf die Frage, warum die Schüler sich so engagieren, antwortet Zeyneb Kurt: "Weil es was Besonderes ist, weil wir es gut finden."

Vom Papierflieger zum Hut

Ganz am Anfang der Aktion stand der Vortrag von Udo Jakat über die Verhältnisse auf der Insel. Philipp Eckey fühlte sich angesprochen. Allerdings erst später, denn zunächst baute er während des Vortrags einen Papierflieger ("Weil ich dachte, das ist Demokratie."). Aber dann entschuldigte er sich, "weil ich merkte, da herrscht Not". Bei einer Ver-anstaltung ließ er den Hut rumgehen und einiges lag drin. "Und schwupps war das Ometepe-Projekt gegründet", fügt Lehrer Ulrich Kind hinzu. Ganz aktuell während einer Abschlussfeier wiederholte Eckey die Aktion mit dem Hut. 350 Euro kamen zusammen, die schon für das nächste Haus vorgesehen sind.

Aktion findet Beachtung

"Die Aktion hat mich überzeugt, weil sich hier eine Gruppe von jungen Menschen auf den Weg gemacht hat, die sich kümmern. Mich macht es stolz, dass es so weit über den Kontinent hinausstrahlt", lobt Silvia Golombeck, die stellvertretende Schulleiterin, das Projekt, das auch anderswo Beachtung gefunden hat: Es wurde im Rahmen des Schülerwettbewerbs "Demokratisch Handeln" mit einem Förderpreis prämiiert.

Besonders benachteiligt

Das Geld wird jetzt nach Nicaragua transferiert. Für 4060 Euro wird Material eingekauft. Das Haus wird in Eigenleistung gebaut. "Die ganze Verwandtschaft packt an", unterstreicht Udo Jakat. "In die Steine werden leere Plastikflaschen eingearbeitet", berichtet Josef Stromberg von der Sektion. "Damit wird Zement gespart, die Isolation gegen die Hitze erhöht und die Umwelt geschont", fügt sein Kollege Ulrich Objartl hinzu. Ausgesucht wurde Maura Argentina Rivera, "weil sie besonders benachteiligt ist, in schwierigen Wohnverhältnissen mit der Großfamilie lebt und ein behindertes Kind hat". Sie bekommt das 16. Haus, das von der Sektion finanziert wurde. "Zuletzt, weil einer Familie das Haus durch einen Erdrutsch wegschwemmte", so Jakat.

Die Ometepe-Kontakte der Erich-Fried-Gesamtschule und der Sektion Ometepe streben im nächsten Jahr einem neuen Höhepunkt zu. Dann wird in Herne mit Besuch aus Nicaragua vom 6. bis 11. Juni das 30-jährige Partnerschaftsjubiläum gefeiert, wobei die EFG besonders am 9. Juni im Fokus steht.