Meldung vom 29. Juni 2017

Hilfe für demenzkranke Migranten in ihrer Muttersprache

Wenn Migranten an Demenz erkranken, kann es passieren, dass sie im Krankheitsverlauf in ihre Muttersprache zurückfallen – die neu gelernte Sprache verlernen. Wer kann sich dann um diese Menschen kümmern? Damit die Betroffenen und Angehörigen dieser Menschen nicht auf sich allein gestellt sind, gibt es interkulturelle Demenzbegleiterinnen und -begleiter.

13 Hernerinnen und Herner haben diese Qualifizierung nun erfolgreich abgeschlossen. Sie sind nun bereit dafür, demenzkranke Menschen in ihrer Muttersprache zu betreuen.

60 Stunden Unterreicht, ein zehntägiges Praktikum sowie den Besuch eines Pflegekurses haben die Teilnehmer seit Februar absolviert. Voraussetzung für diese kostenlose Qualifizierung ist eine andere Muttersprache als deutsch, aber dennoch so gute Deutschkenntnisse, dass dem Unterricht problemlos gefolgt werden kann. Die 13 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen aus der Türkei, Sri Lanka, Syrien, Polen, Kasachstan und Marokko und haben demnach ganz unterschiedliche Sprachkenntnisse vorzuweisen.

„Ich bin unglaublich dankbar, dass Sie sich mit diesem Thema beschäftigen“, sagt Radojka Mühlenkamp, Leiterin des Kommunalen Integrationszentrum, bei der feierlichen Übergabe der Zertifikate am Donnerstag (29. Juni 2017) im Rathaus Wanne.

„Aus gesundheitlichen Gründen kann ich den Beruf der Altenpflegehelferin nicht mehr ausüben. Aber ich möchte weiterhin ältere Menschen unterstützen“, erklärt Sivatharshini Jeyathas, die ursprünglich aus Sri Lanka kommt, aber seit 28 Jahren in Deutschland lebt. Kenan Sulük ist einer von zwei Männern, die am Mittwoch ihre Qualifizierung bekommen haben. „Meine Mama ist an Demenz erkrankt. Ich möchte gerne ehrenamtlich als Demenzbegleiter arbeiten. Ich hoffe, dass ich vielen Familien helfen kann“, sagt der gebürtige Türke.

35 Menschen wurden nun insgesamt vom Bildungswerk e. V. in Herne zu interkulturellen Demenzbegleitern weitergebildet. „Das ist toll. Aber das ist noch nicht genug für Herne“, wie Lehrgangsleiterin Silke Mattelé erklärt. Im kommenden Jahr hofft sie, wieder einen Kurs anbieten zu können. Allerdings würde noch nach einer geeigneten Finanzierung gesucht. Denn: „Wir wollen die Qualifizierung weiterhin kostenlos anbieten.“

Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer geht es nun auf Stellensuche. „Ich wünsche Ihnen viel Erfolg auf Ihrem Weg“, so Volker Beck, der als Vorsitzender des Ausschusses für Soziales, Gesundheit und Familie, gemeinsam mit Ansgar Montag, Geschäftsführer des Caritas-Verbandes, und Dr. Sabine Edlinger von der St. Elisabeth Gruppe, die Zertifikate überreicht hat.