Meldung vom 25. April 2017

Wie geht es den Schülern - Ruhr-Universität und Stadt Herne starten Befragungsaktion

Eine Befragung zum Wohlbefinden der Schüler starten die Ruhr-Universität Bochum und die Stadt Herne. 14 Schulen machen mit. Die Studie ist in Kanada entwickelt worden und wird nun in unserer Stadt als Pilotprojekt und zum ersten Mal in Deutschland erprobt.

Die Partner, die das Vorhaben umsetzen: ZEFIR (Zentrum für interdis-ziplinäre Regionalforschung, Ruhr-Uni) und Bildungsbüro der Stadt Herne. Die Befragung soll vor allem Erkenntnisse über das körperliche, emotionale, mentale und soziale Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen liefern. Zielgruppen sind die Klassenstufen 7 und 9. Initiator und Wissenschaftlicher Leiter der Stu-die ist Prof. Dr. Peter Strohmeier (Universität Bochum). Bei einer Nordamerika-Reise mit Ministerpräsidentin Hannelore Kraft lernte Strohmeier das Befragungsinstrument in Kanada kennen und war hellauf begeistert. Wieder zurück in Deutschland, suchte er eine Stadt, die sich für den Modellversuch zur Verfügung stellte: „Die Bildungsdezernentin Gudrun Thierhoff war die erste Person, die sich meldete.“ Das Ziel ist, die Untersuchung später als Instrument für das ganze Land zu nutzen.“

Jede Schule erhält ihr Profil

„Wir haben viele Daten, von der PISA-Untersuchung und von der Lan-des-Statistikstelle“, betont Bildungsdezernentin Gudrun Thierhoff, „aber einen Blick darauf, wie es den Schülern in dem Alter geht, haben wir nicht. Daher war es ein Glücksfall, als Prof. Strohmeier eine Kommune suchte und wir jetzt dazu beitragen können, den Schulen mehr über ihre Schüler näher zu bringen. Jede Schule kann ihr eigenes Profil erhalten. Die Stadt hingegen erhält sozialräumliche Daten.“

Wann Schüler keine guten Leistungen zeigen

Auch PISA hatte zuletzt nach dem Wohlbefinden der Schüler gefragt: Strohmeier: „Die PISA-Ergebnisse nutzen uns nicht für Herne-Mitte, Eickel oder Wanne.“ Im Gegensatz zu PISA geht es auch nicht um Leistung, so Strohmeier: „Da wird dann untersucht: Sind die Kinder depressiv? Sehen sie optimistisch in ihre Zukunft? Fühlen sie sich gesund? Spannend ist das, was die Kanadier über die Bedingungen dafür, dass es den Kindern gut geht, sagen. Die wichtigste Bedingung ist nicht Schule, sondern sind unterstützende Beziehungen mit Erwachsenen. Je mehr Erwachsene die Kinder nennen, die hinter ihnen stehen, umso besser geht’s ihnen. Umso besser ist die Lesekompetenz und die Mathekompetenz. Der zweitwichtigste Faktor: die Beziehung zu Gleichaltrigen. Der dritte Faktor: Regelmäßig schlafen und vernünftig essen. Vierter Faktor: After-School-Activitys. Also Dinge, die Kinder nach der Schule machen können. Der Fünfte: Das soziale Klima in der Schule.“ Kinder, die sich nicht gut fühlen, bringen keine guten Leistungen, das gleiche gilt für Kinder, die sich nicht angenommen fühlen. „Und Schulen, an denen Schüler das Gefühl haben, ich bin nicht wichtig, die gibt es“, unterstreicht Strohmeier.

Start mit Gesamtschule Mont-Cenis

Das Bildungsbüro der Stadt Herne realisiert die Untersuchung, die am 24. Mai 2017 mit der Gesamtschule Mont-Cenis als erster Schule star-tet und am 26. Juni 2017 mit dem Gymnasium Eickel endet. Dann folgt die detaillierte Aus- und Bewertung der Zahlen. „Die Teilnahme ist frei, etwa zwei Drittel der Eltern haben zugestimmt, es ist auch kein Leis-tungstest“, sagt Benjamin Harney, der zusammen mit Christian Katten-beck und Unterstützern die Befragung umsetzt. „Die etwa 60 bis 70 Fragen werten wir auch nicht individuell aus.“